Dienstag, 15. Mai 2012

Reisebericht

Ich bin mittlerweile schon 5,5 Wochen unterwegs und jetzt komme ich endlich dazu einen Blogeintrag zu schreiben, denn meine Reisegefaehrten machen heute einen Reitausflug...
Wie faengt man am besten an, von einer Reise durch die unterschiedlichsten Bundesstaaten Indiens zu berichten? So richtig weiss ich das auch nicht; nur so viel ist mir auf der ganzen Reise bis jetzt immer wieder bewusst geworden: India ist wirklich "incredible". Es ist defintiv ein Land von so grossen Unterschieden und die sind nicht nur auf Land und Stadt zu beschraenken, sondern treten auch von Haustuer zu Haustuer auf.
Aber genug philosphiert, jetzt kommt ein genauerer Reiseeinblick, wobei meine Erzaehlungen oft bei weitem nicht an die tatsaechliche Erfahrung herankommen koennen. Aber ich gebe mein Bestes!

Tamil Nadu
  • Kanyakumari liegt am suedlichesten Punkt Indiens, dort treffen drei Meere aufeinander und 2004 wurde es vom Tsunami ziemlich zerstoert und etliche Menschen sind gestorben.
  • Rameshwaram ist fuer die Hindus einer der heiligsten Orte, allerdings nicht besonders huebsch. Eine halbe Stunde davon entfernt, sind aber ca. 30km vor der Kueste Sri Lankas richtig schoene Traumstraende - es sieht dort aus wie im Bilderbuch: kristallklares Badewannenwasser und feiner Sandstrand (sogar ohne Muell).
  • Madurai hat meiner Meinung nach einen der schoensten "aktiven" Tempel; relativ gross mit vier riesigen Toren, die alle mit ganz vielen bunten Figuren geschmueckt sind. Man kann sich dort ziemlich "tot schauen".

West Bengalen

  • Kolkata ist die zweitgroesste Stadt Indiens - dort wohnen 15 Mio Menschen. Allerdings merkt man das gar nicht so wirklich; das indische Chaos ist auch nicht schlimmer als sonst. Nur die Unterschiede sind teilweise ziemlich krass: neben einer klimatisierten super funktionierenden Metro gibt es nicht nur Fahrradrikschas, sondern sogar noch von Hand (!) gezogene Rikschas! Neben den typischen Sehenswuerdigkeiten (Victoria Memorial, India State Museum) haben wir auch die groesste Muellkippe Indiens gesehen (4km lang); zu unserer Ueberraschung gab es drum herum aber ganz viele Recyclingprojekte.

 Uttar Pradesh
  • Varanasi ist die heilige Stadt am Ganges und auch eine der beeindruckesten mit einem ganz eigenen Flair. Die Hindus kommen hierher um ein heiliges Bad zu nehmen und es gibt zwei Verbrennungsghat, an denen jeden Tag 24h lang Leichen verbrannt werden. Anschliessend wird die Asche in "mother Ganga" verstreut. 5 Arten von Leichen werden aber nicht verbrannt: schwangere Frauen, Kinder, Sahdus, Leprakranken und von Kobra gebissene.
  • Agra - Der Standort der beruehmten indischen Sehenswuerdigkeit ueberhaupt: dem Taj Mahal. Es ist wirklich ziemlich beeindruckend und wunderschoen!
  • Delhi, die Haupstadt Indiens, kommt einem oft gar nicht wie "Indien" vor, sondern eher wie Europa. Das U-Bahn Netz ist besser als in London, die Inder stehen beim Einsteigen in Reihen an und man sieht nur ganz selten traditionelle indische Kleidung wie z.B. Sari. Zu dem allem kommen noch Haendchen-haltende Paerchen hinzu - wir waren doch oefters ziemlich schockiert! 

Himachal Pradesh
  • Shimla liegt im suedlichen Auslaeufer des Himalayas auf 2200m. Die Natur ist sehr schoen und gleicht dem Schwarzwald oder Alpenvorland. Aber es wird besonders nachts ziemlich ziemlich kalt und wir haben gefroren wie schon lange nicht mehr!

Punjab
  • Amritsar ist zu meinem persoenlichen Lieblingsort in Indien geworden! In der Stadt wurde der Sikhismus gegruendet und deswegen sieht man dort ganz viele Maenner mit bunten Turbanen. Der goldene Tempel ist das Herz der Stadt und das stimmt definitiv! Er wird durch Freiwilligenarbeit organsiert, es gibt fast 24h lang "life" Musik und es ist einfach traumhaft schoen wie sich der goldenen Tempel im Wasser spiegelt. Ich haette dort ewig sitzen und vor mich hintraeumen koennen. Es ist auch der einzige Tempel in Indien, in dem man kostenlos Essen und Schlafen kann. Amritsar ist nur ca. 30km von der pakistanischen Grenze entfernt, so dass wir uns auch die taegliche Grenzschliessungszeremonie am Abend angeschaut haben. Das Ganze gestaltet sich mehr als eine Party und das indische Militaer kann man danach nicht mehr wirklich ernst nehmen, aber wir hatten auf jeden Fall genug Spass! Sucht einfach mal bei you tube danach und ihr werdet es verstehen...

Rajasthan
= der Top 1 Touristen Bundesstaat mit hunderten wunderschoenen Palaesten. Es lohnt sich wirklich hierher zukommen, allerdings wuerde ich wie wir in der Nebensaison kommen, denn ansonsten sind dort einfach zu viele Touristen und man bekommt zu wenig von "Indien" mit.

  • Jaipur ist die Hauptstadt Rajasthans und wird als "pink city" bezeichnet, allerdings sind die Haeuser eher ockerfarben.
  • Pushka ist klein und beschaulich und perfekt zum chillen, ausruhen, Karten spielen und lesen.
  • Jodhpur ist die blaue Stadt und es sind wirklich viele Haeuser blau angemalt. Ausserdem ist das Fort ziemlich gross und man hat eine super Aussicht auf die Stadt.
  • Jaisalmer liegt am Rande der Wueste Thar und ist deswegen relativ warm - bei 46Crad fuehle ich mich mittlerweile erst richtig wohl! Wir haben auch eine Wuestentour gemacht: Kamele geritten, in der Wueste gekocht und anschliessend unter Sternenhimmel mit ganz vielen Sternschnuppen geschlafen.
  • Udaipur gilt als romantischste Stadt Indiens. Ueberall gibt es Schnoerkel, Boegen, weissen Marmor, einen Wasserpalast...es ist doch schon relativ romantisch und kitschig.

In den naechsten 11 Tagen wollen wir noch zum Mount Abu, nach Ahmedabad, nach Ajantha und unser letzter Punkt wird Mumbai sein. Anschliessend geht es 25h mit dem Zug zurueck nach Bangalore (das ist aber wirklich gar nicht so schlimm - in Indien bekommt man ein komplett anderes Zeitgefuehl/verstaendnis) und dort kommt dann meine Familie an! Auf das Wiedersehen nach 9,5 Monaten freue ich mich einfach riesig und bin jetzt schon ganz hippelig, wenn ich daran denken :)

So jetzt habe ich aber eindeutig genug geschrieben und goenne mir erstmal einen leckeren Lassi!
Liebe Gruesse, eure Melissa

P.S. Fotos von meiner Indien Rundreise kommen in 1 Monat, sobald in Mysore wieder der Alltag eingekehrt ist!
 

Sonntag, 1. April 2012

Ich bin dann mal weg...

Nachdem Steffi gestern wieder zurück nach Deutschland geflogen ist, zieht es auch mich aus Mysore fort! Ich bin zwar im März schon nicht so aktiv auf meinem Blog gewesen bin, allerdings muss ich sagen, dass es im April und Mai nicht besser werden wird, sondern nur noch schlechter! Denn seit heute habe ich Sommerferien :) Und das heißt, es wird gereist, was Indien so hergibt; und da gibt es einfach viel zu viel, so dass ich schon Wunschorte für meine nächste Indien Reise habe. Ich versuche aber ab und zu mal ins Internet Cafe zu kommen und euch von meiner Reise zu berichten. Und aller spätestens wenn ich wieder in Deutschland bin, werdet ihr alles erfahren! :)

Und jetzt stelle ich euch hier mal meine ungefähre Reiseroute vor:

Los geht es am 5. April. Als erstes Besuche ich Julian und Martin, zwei ICJA Freiwillige im Norden Tamil Nadus. Danach werde ich zusammen mit Marcel und Amandine, einer Freiwillige aus Frankreich, ab dem 8. April das restliche Tamil Nadu erkunden. Unter anderem fahren wir nach Kanyakumari, die Stadt am südlichsten Punkt Indiens. Anschließend fahren wir noch zusammen nach Rameswaram, dem Punkt Indiens, der am nächsten zu Sri Lanka gelegen ist (ca. 30km). Danach gibt es nochmal kurz einen Abstecher nach Madurai und schließlich geht es zurück nach Bangalore. Und dort startet dann am 14. April meine Nord-Indien Reise. Zusammen mit Cecilia fliege ich nach Kalkutta. Von dort geht es über Varanasi nach Delhi. Am 23. April wird dann unsere Reise Truppe schließlich komplett: Ruben und Marlena kommen! Für die folgende Zeit ist unser Plan noch nicht komplett ausgereift; also wir wissen wohin wir wollen, aber haben keine genauen Zeitvorgaben. Wir werden das Taj Mahal besuchen, ins Himalaya fahren, verschiedene Städte in Rajasthan erkunden (u.a. Jaipur, Udapur) und schließlich irgendwann in Mumbai ankommen. Dann sind zwar meine große Indien Reise und die Sommerferien fast vorbei, aber zum Schluss kommt noch ein absoluter Höhepunkt meines Indien Jahres: Meine Eltern und Brüder werden mich besuchen! Nach einem kurzen Aufenthalt in Banglore werden wir zusammen nach Kerala (Kochi) fliegen und die Backwaters erkunden. Anschließend sind noch 6 Tage Mysore geplant, in denen sie meine „indische Heimatstadt“, mein Projekt, meine Gastfamilie und mein komplettes indisches Leben kennen lernen werden.

Die nächsten 2 Monate werden also definitiv nicht langweilig und ich freue mich einfach riesig auf alles :)
 Viel Spaß beim Suchen meiner Routen-Punkte ;)

Ich wünsche euch allen auf jeden Fall ganz schöne Ostern mit leckerem Essen und vielen bunten Ostereiern! Genießt den Frühling und habt eine gute Zeit!
Vielen liebe Grüße aus Indien, eure Melissa


Montag, 19. März 2012

Zwei komplett verschiedene Orte in Indien

Nachdem Steffi zur Zeit bei mir ist, sind wir am Wochenende immer unterwegs und entdecken Indien. Die letzten zwei Wochen waren wir an zwei völlig unterschiedlichen Orten; hier nun ein kurzer Einblick wie verschieden Indien doch sein kann!

  1. Bylakuppe: Ein kleiner, beschaulicher Ort zwischen Mysore und Madikeri, in dem ca. 10 000 Tibeter leben. Der „goldene Tempel“ ist einer der Hauptattraktionen und er ist auch wirklich schön anzusehen; überhaupt das ganze Dorf erscheint durch die vielen tibetischen Gebetsfahnen ziemlich bunt. Neben dem „typisch“ indischem Essen, kann man dort auch viele leckere tibetische Gerichte versuchen. Irgendwie strahlt der Ort trotz etlicher Touristen zwischen vielen tibetischen Mönchen eine angenehme Ruhe aus.

  1. Ooty: Zum ersten Mal ist mir so richtig bewusst geworden wie schön Deutschland doch ist und wie sehr ich eigentlich die deutsche Landschaft vermisse! Denn in Ooty sieht es einfach mal genau so aus! Es gibt Wälder mit Laub- und Nadelbäumen, alles ist grün und manchmal ist es mir wirklich schwer gefallen, einzusehen, dass ich in Indien bin und nicht im Alpenvorland! Aber in den Alpen wird einfach mal kein Tee angebaut. Die Temperaturen sind auch sehr angenehm und nachts habe ich das erste Mal seit 7 Monaten wieder richtig gefroren und habe deswegen mit langer Hose, gestrickten Socken und zwei Jacken geschlafen! Das liegt wohl vor allem dran, dass Ooty auf 2800m Höhe liegt. Ich habe mich wirklich ein bisschen in diesen Ort verliebt und zu dem ganzen Glück kommt noch dazu, dass es an jeder Ecke hausgemachte Schokolade gibt – so lecker :)

Dieses Wochenende werde ich Steffi Hampi zeigen und darauf freue ich mich schon sehr, denn Hampi ist einer meiner Lieblingsorte in Indien!
Genießt den Frühling, eure Melissa.

Sonntag, 11. März 2012

Mein 1. Besuch aus Deutschland ist da! :)


Und deswegen bin ich im Moment ziemlich sehr beschäftigt. Aber es macht einfach total viel Spaß, Steffi "mein Indien" zu zeigen! Demnächst kommt aber wieder ein längerer Blog Eintrag. Bis dahin, liebe Grüße aus dem heißen (34°C) Indien, Melissa.

Donnerstag, 1. März 2012

ಮೈಸೂರು

Mir ist aufgefallen, dass ich noch gar nicht richtig meine indische Heimat vorgestellt habe und deswegen wird das jetzt geändert. Denn Mysore ist eine, der schönsten Städte Indiens!

Mysore hat ca. 900.000 Einwohner und liegt 707m über dem Meeresspiegel. Damit gehört Mysore definitiv nicht zum ländlichen Indien, aber es gibt auch noch etliche viel größere Städte (+ 5 Millionen). Mysore ist aber auch schwer mit einer deutschen Stadt vergleichbar; ich würde sagen, Mysore nimmt ungefähr genau so viel Fläche wie Bamberg ein, denn die indische Bevölkerung lebt viel enger zusammen, die Wohnungen bestehen aus weniger Zimmern und in jedem Haushalt leben eigentlich mindestens 4 – 8 Personen.

Mysore kann auf eine ziemlich lange Geschichte zurückschauen; 1399 wurde die Wodeyar Dynastie gegründet. Mysore ist deswegen unter anderem bekannt für viele denkmalgeschützte Gebäude, den schönsten und gemütlichsten Markt Indiens, teure Mysore Seide, Sandelholz und Düfte. Außerdem ist es ein bekanntes Yoga und Ayurveda Zentrum und es gibt besonders in der Reisezeit viele Yoga Touristen. Hier gibt es auch etliche Museen, einen Zoo, ein Bird Sanctuary (in dem ich aber noch nicht war und jeder der mich kennt, auch nicht hingehen werde ;) und die Brindavan Gardens, eine ziemlich große angelegte Parkanalage mit Springbrunnen und am Wochenende mit einer Lightshow.

Auch wenn mein letzter Blog Eintrag über den Müll in Indien, sicherlich auf vielen Wahrnehmungen beruht, die ich in Mysore gesammelt habe, ist Mysore aber im Vergleich zu den meisten anderen indischen Städten sauber! Natürlich gibt es herumliegenden Müll und Mülleimer sind Mangelware, aber trotzdem ist es schön hier, denn die Stadt ist mit vielen Parks versehen und Bäume + Blumen sind auch in jeder Straße vorhanden.

Natürlich gibt es auch in Mysore den „typsich indischen Flair“, ganz viele kleine Läden, die von außen gesehen im Chaos zu versinken scheinen, außerdem gibt es den selben Laden meistens drei Häuser neben an, nochmal genauso, Obst- und Gemüsefrauen sitzen am Wegrand und oft auch indische Menschen, die einfach gerade nichts zu tun haben, und überall gibt es Essensverkäufer, die richtig leckeres Essen verkaufen. :)

Mysore ist auf jeden Fall eine Touristen Stadt und gerade seit Dezember (Start der empfohlenen Reisezeit für Indien) sind richtig viele „weiße“ Menschen überall. Am Anfang waren wir immer alle ganz erschrocken, „was machen denn auf einmal so viele Weiße hier?!“, mittlerweile haben wir uns aber daran gewöhnt. Durch diesen touristischen Einschlag gibt es auch etliche „Touristen Angebote“ u.a. Pizza Hut, verschiedene weitere Fastfood Restaurants, eine riesige Shopping Mall – also wenn man genug Geld hat, kann man hier schon ziemlich gut leben, eigentlich ähnlich wie in Deutschland! Allerdings meiden wir diese Attraktionen meistens, da unser Taschengeld für solche Angebote dann doch ein bisschen zu wenig ist und wir ja schließlich in Indien sind, um Indien zu entdecken und nicht umso weiterleben wie zu Hause in Deutschland. Da wir aber eigentlich auch alle in den „normalen“ indischen Stadtteilen wohnen, ist das auch kein großes Problem. Wir kennen dort mittlerweile auch schon unsere Lieblingsläden und haben feste Treffpunkte – der „Saft-Laden“ am Akshaya Banda zum Beispiel verdient sehr gut an uns und wir sollten eigentlich mittlerweile mal über einen Rabatt diskutieren :)

Mittlerweile haben wir uns in unserer neuen Heimat einfach schon so sehr eingelebt, dass wir uns jedes Mal freuen, wenn wir wieder hier sind und den Mysore Palace sehen. Eigentlich genau so wie in Deutschland: wenn ich die Veste Coburg sehe, weiß ich, ich bin zu Hause :)

Mysore
Coburg
(basierend auf meinem LonelyPlanet Indien und meinen eigenen Eindrücken!)

Mittwoch, 29. Februar 2012

Indien scheint in vielerlei Hinsicht sicherlich fortschrittlich entwickelt zu sein, allerdings darf man deswegen trotzdem nicht das "alltägliche Indien" übersehen:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,816675,00.html


Wer mehr zum Thema Zwangsprostitution lesen möchte, dem kann ich das Buch "Sold  - Can she ever be free" von Patricia McCormich empfehlen! Ich habe es mir in Indien gekauft und fand es sehr schockierend und grausam wie teilweise mit Mädchen umgegangen wird; v.a. man bekommt davon leider eigentlich einfach gar nichts mit!